Gestern rief ich in dem dazugehörigen Spa an und wollte erfragen ob es noch freie Termine gäbe. Soweit kam ich leider gar nicht. Es nahm am anderen Ende keiner ab. So legte ich auf und grübelte. Warum ich das tat? Weil ich überlegte, ob ich mir wirklich einen Termin holen sollte, ob sie überhaupt motiviert sind und ob es sich lohnt dafür Geld zu bezahlen. Denn ich habe das Gefühl, das es wirklich schwierig ist, unter gute Hände zu gelangen. Es kommt nicht oft vor, das ich mich selbst massieren lasse, aber wenn, dann habe ich wirklich kein Interesse an schlechten Massagen. Ab und zu werde ich von meinen Kunden gefragt, von wem ich mich eigentlich massieren lasse. Und das ist eine wirklich schwierige Frage, auf die ich bisher kaum eine passende Antwort fand. Nur Eine.

Es ist eine Weile her, als ich in einem kleinen Hotel im Spreewald residierte. Dieses legte auch Wert auf dessen Wellnessangebot. Natürlich war die Vorfreude groß, sich in den kommenden Tagen dort verwöhnen lassen zu können, nur leider währte diese nicht lang. Ich betrat zwei Tage später den Spa Bereich, in dem hinter dem Tresen eine Dame wuselte. Weder eine Begrüßung noch ein Blick. Nichts. So nahm ich also geduldig Platz und starte auf die Uhr an der Wand. Vielleicht wird man mich auch erst willkommen heißen, wenn ich dran bin, dachte ich mir. Unangenehm! Als wäre ich Luft. Doch weder bin ich zu klein, noch zu launisch oder ähnliches gewesen, das man mich hätte ignorieren müssen. Nun ja, als die Zeit für meinen Termin zehn Minuten später gekommen war, traute man sich dann doch, mich anzusprechen und mich in einen vorbereiteten Raum zu begleiten.

Ich legte mich auf die vorgewärmte Massageliege, welche zunächst sehr angenehm für mich war. Ich war neugierig welche Massagetechniken Cindy beherrschte, also fragte ich kurz nach, ohne zu erwähnen, dass ich selbst vom Fach bin. Sogleich antwortete sie verdutzt und verstand offensichtlich die Frage nicht. Sie sagte mir, dass man ja von anderen auch dazu lernt wenn man Kollegen zuschaut und das klang weder überzeugend noch professionell. Dabei fuhr sie mit ihren Händen schon in viel Öl gleitend über meinen Rücken. Und ja, sie glitt, und glitt… Aber wann geht es denn eigentlich richtig los? Ich gab ihr zu verstehen, dass ich kein Problem damit hätte, wenn Sie etwas mehr Druck mit ihren Händen ausüben würde, doch irgendwie war es ihr nicht ganz möglich. Ab und zu zirkelte sie an meiner Wirbelsäule entlang, doch dann glitt sie wieder wie eine Ringelnatter über meinen Rücken. Die Massageliege heizte mir mittlerweile so sehr ein, dass ich anfing zu schwitzen. Das sollte aber kein Problem sein. Nachdem ich ihr dies mitteilte regelte sie sofort die Temperatur runter. Es folgten die Arme dann die Beine und meine Füße. Dann drehte ich mich nach Aufforderung um. Als sie mit der Nackenmassage fertig war, massierte sie in Richtung Dekolleté, was leider sehr unangenehm war. Sie bemerkte wohl nicht, dass sie meine persönliche Zone schon längst überschritten hatte. Ich war erstaunt was man ihr scheinbar so beigebracht hat. Am Ende der Massage dunkelte sie den Behandlungsraum ab und sagte mir, dass ich mich noch etwas ausruhen könnte, dann ließ sie mich allein. Ich fühlte mich kaum entspannter als zuvor, daher schaute ich mich etwas im Raum um und mein Blick fiel auf eine kleine Uhr hinter mir. Ich war erschrocken! Ganze zehn Minuten früher hatte sie das Treatment beendet. Wie bitte? Ich zog mich an, unterschrieb einen Zettel, den sie bereits vorbereitet hatte und verließ ziemlich enttäuscht und verärgert das Zimmer.

So oder so ähnlich passierte es mir auch zwei Monate später in einer Therme, in der Nähe von Berlin. Hier sagte man mir direkt, nachdem ich mir etwas Druck von vorn herein wünschte, dass es eben nur Wellnessmassagen wären. Ist es wirklich zu viel verlangt? Bin ich doch damit nicht allein, das eine stärkere Massage ein größeren Mehrwert für mich hätte als eine Streicheleinheit. Nach all den Pleiten ließ ich mich nun endlich von meiner sehr guten Kollegin und Freundin Pia massieren, die ebenfalls sehr exklusive Kundschaft betreut. Wir verabredeten uns an einem Abend bei mir zu Hause, nahmen ein Fußbad, tranken Sekt und plauderten ein wenig. Dann legten wir Musik ein und ich massierte sie, dann sie mich. Es war absolut traumhaft. Sie spürte jede Stelle auf die mir Probleme bereitete, ließ sich völlig auf meinen Körper ein und es war pure Energie die dabei floss. Ich schwebte wie auf Wolken, schlief fast ein und fühle mich anschließend einfach nur fantastisch entspannt. Diese eine Massage war wirklich mit großem Abstand die Beste, die ich bisher bekommen habe. DANKE PIA!

Ich wünsche mir ganz klar von den Therapeuten, dass sie mich  professionell behandeln. Es darf nicht sein, dass ich in einer Spa Einrichtung nicht begrüßt werde, noch bevor mein Termin begonnen hat. Es kann nicht sein, das man mich nicht fragt ob ich Beschwerden habe oder ob auf etwas zu achten wäre. Nicht zu fragen ob der Druck angenehm ist oder die Temperatur der beheizten Liege stimmt, gibt mir schlichtweg das Gefühl, dass hier etwas fehlt. Und zwar die Motivation! Und nicht nur diese, sondern auch die Leidenschaft oder der Bezug zur Arbeit. Denn diese zwei Komponenten sind für mich als Massagetherapeutin ganz elementar. Auch wenn ich verstehen kann, das sie als Angestellte eines Spa´s von früh bis spät arbeiten müssen. Aber dann darf und muss man sich damit auseinander setzen, welche Voraussetzungen man an sich selbst und vor allem an den Arbeitgeber stellen sollte, um wieder mit vollem Einsatz an die Arbeit gehen zu können. Zuletzt ist es doch für viele eine Frage des Geldes oder? Die Zustände sind teilweise auch in Berliner Spa´s katastrophal. Ich hörte schon von einigen schlecht bezahlten Stellen und würde nie raten diese anzunehmen, wenn die Leidenschaft für diese Arbeit groß ist. Denn es dauert nicht lange und viele verlieren den Fokus. Sie vergessen, dass sich der Mensch unter ihren Händen gut aufgehoben, verstanden und im besten Falle glücklich und entspannt fühlen möchte. Denn der Gast weiß nicht, wie viele schon vor ihm massiert wurden, oder wie viele noch im Kalender stehen. Das einzige was er möchte ist, eine Dienstleistung zu erhalten, welche dem angegebenen Standard entspricht. Billig ist billig und teuer sollte sich auch teuer oder noch besser wie ein Geschenk anfühlen, obwohl es bezahlt werden muss. Erst wenn sich dieses Gefühl von Dankbarkeit auf beiden Seiten einstellt, erst dann wissen beide, dass es gut war.

Ich bin auf die nächste Massage gespannt.

Au revoir,

Denise